Im Gespräch mit Dr. Georg Ruppelt

Dr. Georg Ruppelt war von 2002 bis 2015 Direktor der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. Er hat die Gründung der Akademie für Leseförderung begleitet und ihre Arbeit über viele Jahre aktiv unterstützt.

Die Akademie für Leseförderung Niedersachsen ist eine weltweit einzigartige Einrichtung. Wie hat alles angefangen und welche Rolle haben Sie dabei gespielt?

Die Zeichen standen 2003 günstig. Nachdem ich seit Jahren als Mitglied im Vorstand der Stiftung Lesen als Vertreter des Bibliothekswesens mitwirken durfte, war ich nun als deren ehrenamtlicher Vorsitzender in diesem Jahr auch Direktor der Niedersächsischen Landesbibliothek (seit 2005 Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek) geworden und hatte die Idee, diese beiden für Kultur und Wissenschaft so wichtigen „Institutionen“ auch inhaltlich irgendwie zusammenzubringen.
Die damaligen Geschäftsführer Heinrich Kreibich und Prof. Ring waren von der Idee begeistert und unterstützten sie von Anfang an, ja, machten recht eigentlich erst etwas daraus durch ganz konkrete Pläne und Vorschläge. Es ist also eine Gemeinschaftsidee gewesen, die auch gemeinschaftlich in die Tat umgesetzt wurde – und das außerordentlich rasch.
Ein Glücksfall war es auch, dass die Landesregierung gewechselt hatte. Das ist nun ganz und gar nicht parteipolitisch gemeint, aber jede neue Regierung will auch immer etwas Neues bieten, und so stießen wir auf Interesse und auch auf den Willen, diese Idee für das Land gemeinsam mit der Stiftung umzusetzen und die Mittel dafür bereitzustellen.
Die Kolleginnen und Kollegen der wissenschaftlichen Bibliotheken wussten mit dieser Akademie zunächst so recht nichts anzufangen, und ich habe manch – nun sagen wir – amüsiert-irritierte Bemerkung gehört. Das hat sich dann sehr rasch geändert.
Jedenfalls war ich glücklich, als die Akademie schon 2004 gegründet wurde, und ich gebe offen zu, dass ich dies für mich persönlich zu den größten Erfolge meines aktiven Berufslebens zähle, wenn es nicht der größte überhaupt war, auf den ich heute nach wie vor stolz bin. Man kann nicht von allen seiner Handlungen sagen: Genau so würd‘ ich’s wieder machen. In diesem Falle kann ich dies genau so sagen.

Sie haben die Akademie über viele Jahre hinweg als Direktor der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek begleitet. Welche Entwicklungen waren Ihnen besonders wichtig?

Man kann die Aufgaben und die Inhalte in den Verlautbarungen der Akademie nachlesen. Daher will ich mich kurz fassen:

  • Die Akademie musste von Anfang an in der Öffentlichkeit präsent sein, und zwar nicht nur in der pädagogischen oder bibliothekarischen, sondern auch in den Medien.
  • Sie musste im politischen Raum präsent sein, und zwar auch bei allen Parteien.
  • Sie sollte ganz Niedersachsen und nicht nur der Region Hannover zur Verfügung stehen. Deswegen war es großartig, als die Stiftung der Akademie und der GWLB eine eigenes Auto zur Verfügung stellte – übrigens einen sehr schnellen und geräumigen Opel mit deutlicher und auch nachweislich wahrgenommener Werbung auf der Außenhaut für die Akademie.
  • Die heutige Akzeptanz der Akademie auf vielen Ebenen war nur mit dem hochqualifizierten und extrem kreativen Engagement der für sie arbeitenden Menschen verschiedenen Geschlechts (korrekter geht’s nimmer) zu erreichen. Ein großartiger Erfolg – und heute wichtiger denn je!

Vernetzung von Wissenschaft und Praxis, Fortbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, Einrichtung eines Informationsportals zur Leseförderung, Gestaltung von Leseevents, Unterstützung von Lesenetzwerken …Wo sehen Sie den Schwerpunkt der Arbeit der Akademie?

Sie nennen die Schwerpunkte. Man muss nur aufpassen, dass einem zu viele Punkte insgesamt nicht zu schwer werden; das passiert schnell. Das Thema Migration ist natürlich einer der schwersten Schwerpunkte und wird es bleiben. Schauen Sie nur aus dem Fenster.

Was waren ihre schönsten Erlebnisse in Zusammenhang mit der Akademie? An welche Veranstaltung können sie sich noch besonders gut erinnern?

Das waren die Gründung der Akademie in der GWLB, die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes wegen Verdiensten um die Leseförderung und die Eröffnung der Wanderausstellung im Landtag.

Sie sind seit 2 Jahren in Pension, aber haben sich noch lange nicht zur Ruhe gesetzt. An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit und wo engagieren Sie sich?

Ruhe sei ein Zustand der Dummheit, meinte Leibniz. Schauen Sie doch einfach auf meiner Webseite nach, z. B. unter der Vita und den Publikationen. Unterhaltsamer ist aber der dortige Busch-Blog!

Haben Sie einen aktuellen Buchtipp für uns?
Immer aktuell und für mich lebensbegleitende Lektüre (fünf Mal hab ich’s wohl geschafft) sind die Josephs-Romane von Thomas Mann.

Wie stellen Sie sich die Akademie für Leseförderung im Jahre 2060 vor: Gibt es die Akademie dann überhaupt noch und wenn ja, was sind ihre Aufgaben und wer arbeitet dort?

Festhalten! – Jetzt kommt pure Science Fiction!

Lieber Herr Ruppelt, vielen Dank für das Gespräch und Ihr außerordentliches Engagement für die Leseförderung!

 

Fotos: Jutta Wollenberg / Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

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