Von Vorlesepaten und Leselernhelfern

Qualifizierung von Referentinnen zur Schulung Ehrenamtlicher in der Leseförderung

Ehrenamtlich Engagierten kommt in der Gesellschaft eine immer größere Rolle zu. Sei es das Engagement im Sportverein der eigenen Kinder oder die Unterstützung von Seniorinnen und Senioren im täglichen Leben – weite Bereiche der kulturellen und gesellschaftlichen Teilhabe wären ohne die Arbeit von Ehrenamtlichen kaum denkbar. Laut einer Erhebung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2012 sind bundesweit 71% aller Personen über 14 Jahren ehrenamtlich tätig. Laut dem Freiwilligensurvey 2009 sind eine der größten Zielgruppen Kinder und Jugendliche: ein großes Potential also für Projekte der Leseförderung.

Einen großen Anteil der ehrenamtlich Tätigen in der Leseförderung nehmen Vorlesepaten und Leselernhelfer ein: Sie standen Mitte Juni 2014 im Zentrum einer umfassenden Schulung der Akademie für Leseförderung. Sie unterstützen sowohl Bildungsinstitutionen wie Kitas und Schulen als auch Bibliotheken sowie familiäre Akteure in ihrem Bildungsauftrag, indem sie ergänzende Angebote machen, für die ansonsten Zeit, Geld oder das Bewusstsein fehlt.

Vorlesepaten setzen vor allem bei der Lesemotivation und Lesefreude an und führen Kindergartenkinder oft spielerisch an Bücher heran. Leselernhelfer dagegen üben gezielt mit einzelnen Grundschulkindern den Leselernprozess. Seit einiger Zeit werden sie auch verstärkt in der Sekundarstufe I eingesetzt, da Kinder oft auch nach der Grundschule noch Probleme beim Leseprozess aufweisen.

Wie die Stiftung Lesen 2011 erhoben hat, wünschen sich viele Ehrenamtliche spezifische Weiterbildungen zu Themen wie (Vor-)Lesetechniken oder dem Lesen mit bestimmten Personenkreisen wie Kindern mit Migrationshintergrund. Ihre Qualifizierung ziehen sie der Studie zufolge aus langjähriger Erfahrung, ihrem beruflichen Hintergrund oder aus anderweitigen Fortbildungsmaßnahmen.

Insgesamt ergibt sich daher ein großer Bedarf, interessierte Ehrenamtliche für die Leseförderung zu gewinnen und sie in ihrer Tätigkeit durch weitere Fortbildungsangebote zu unterstützen. In Niedersachsen führt die Akademie für Leseförderung nicht nur Veranstaltungen für bereits tätige Ehrenamtliche durch, sondern qualifiziert auch bereits seit 2008 und in Kooperation mit der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung Multiplikatoren, die ihrerseits als Referenten Ehrenamtliche ausbilden sollen.

Der erste Teil der diesjährigen viertägigen Schulung fand Mitte Juni in Hannover statt. Die Teilnehmerinnen kamen aus unterschiedlichen Bereichen: Einige hatten bereits Erfahrung im Umgang mit Ehrenamtlichen in der Leseförderung, betreuen einen Leseclub oder eine (Schul-)Bibliothek, andere wiederum hatten bislang nur wenig Berührungspunkte mit Vorlesepaten und Leselernhelfern. Behandelt wurden zunächst die Bereiche und Initiativen, in denen Ehrenamtliche in der Leseförderung tätig sind sowie grundlegende Methoden zur Gestaltung einer eigenen Fortbildung.

Im weiteren Verlauf widmeten sich die Teilnehmerinnen dem Tätigkeitsfeld von Vorlesepaten: Warum sollte Kindern überhaupt vorgelesen werden? Was bedeutet eigentlich vorlesen? Darf man auch erzählen oder spielen? Und wie kommt die Vorlesepatin an die Kinder? All diese Fragen wurden geklärt; zudem wurden konkrete Praxistipps und Methoden anhand von ausgewählten Bilderbüchern erprobt und erste eigene Erfahrungen ausgetauscht.

Auch die Tätigkeit der Leselernhelfer wurde näher betrachtet: Wie sollten sie sich gegenüber der Grundschule, den Lehrkräften und vor allem dem einzelnen Kind verhalten? Was erwarten die Lehrkräfte und die Eltern von ihnen und können diese Erwartungen überhaupt erfüllt werden? Vor allem in diesen Bereichen mussten viele Unklarheiten aus dem Weg geräumt werden. Auch der konkrete Prozess des Lesen-Lernens wurde behandelt. Hier zeigte sich, welch große Herausforderung es für ein Kind darstellt, die mündliche Sprache plötzlich als Schrift wahrzunehmen, Buchstabenkombinationen Bedeutungen beizumessen und Wortinhalte zu Satzinhalten zusammenzusetzen.
Besonders deutlich machten die Referentinnen dabei, wie wichtig es bereits in diesem Stadium ist, dass Kindern früh vorgelesen wird: Gerade das Vorlesen schafft die nötigen Voraussetzungen, um das verständnis-volle Lesen zu erlernen.

Im zweiten Teil der Schulung im Herbst werden konkrete Fortbildungspläne und –methoden der Teilnehmerinnen erprobt und diskutiert. Auch weitere Praxisideen werden den künftigen Multiplikatorinnen mit auf den Weg gegeben. Die Fortbildung vereint damit sowohl theoretisches Basiswissen, Informationen über Zugänge zu Ehrenamtlichen und Bildungsinstitutionen als auch praxisorientierte Anteile. Sie wird etwa alle 2 Jahre durchgeführt.

(Alle Angaben zu Studien und statistischen Erhebungen aus Stiftung Lesen: „Ehrenamtliches Engagement in der Leseförderung. Rolle, Qualifikation und Motivation“, Mainz 2014, http://www.netzwerkvorlesen.de/download.php?type=documentpdf&id=1201; Fotos: Akademie für Leseförderung Niedersachsen)

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