Gips oder wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte.

Kann man eine Familie eingipsen, damit sie nicht auseinanderfällt? Die Geschichte beginnt mit lauter Katastrophen. Fitz (12 Jahre) wird Augenzeugin eines Fahrradunfalls, den ihr Vater und ihre jüngere Schwester Bente (9 Jahre) im Winter auf eisglatter Straße erleben. Bei diesem Unfall gerät Bentes Ringfinger unter einen Schlitten und die Fingerkuppe wird abgeschnitten. Auf schnellstem Wege fahren die drei in die Notaufnahme des Krankenhauses.

Eine noch viel größere Katastrohe als der Unfall ist für Fitz die Trennung ihrer Eltern, die Begeisterung ihrer Mutter über die neu gewonnene Freiheit und der Umzug ihres Vaters in eine neue Wohnung. Fitz hat sich ihre Enttäuschung und Wut im wahrsten Sinne des Wortes ins Gesicht geschrieben: Mit einem nicht wieder abwaschbaren Stift steht auf Stirn und Wangen „Mama soll sterben“. Zum Glück hat eine umsichtige Nachbarin eine Tigermaske für die Fahrt zum Krankenhaus parat.

Wegen des Unfalls kommt die Familie im Krankenhaus zunächst wieder zusammen. Aber kann man eine Familie eingipsen, damit sie nicht auseinanderfällt? Während Bente und ihre Eltern auf die Behandlung warten, stromert Fitz durchs Krankenhaus und macht lauter neue Bekanntschaften. Da ist zum Beispiel Adam, der sich um seinen kleinen, viel zu früh geborenen Bruder kümmern muss, weil seine Eltern im Schnee feststecken. Oder Primula, die wegen einer schweren Herzoperation eine lange Narbe zurückbehalten hat.

Trotz der ernsthaften Thematik ist die aus der Sicht von Fitz erzählte Geschichte mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und Humor geschrieben und lässt aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse, die wegen der Übertreibungen fast schon wie ein Slapstick anmuten, auch keine Langeweile aufkommen. Am Ende dieses einen Tages im Krankenhaus hat Fitz eine Menge dazugelernt, unter anderem über die Liebe und das damit verbundene Risiko der Enttäuschung, wenn man sich auf sie einlässt.

Das vielfach prämierte Buch eignet sich als Lektüre für die 5. Klasse. Es bietet zahlreiche Gesprächsanlässe über ernsthafte Themen, aber auch genügend Witz und Erzähltempo, damit Leserinnen und Leser am Ball zu bleiben. 

Anna Woltz: Gips oder Wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte. Hamburg: Carlsen 2016. Ab 10 Jahren

Cover: Carlsen Verlag

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