Lehmriese lebt!

Olli und Ulla spielen am Fluss und kommen auf die Idee, aus dem Lehm einen Riesen zu bauen. In der Nacht, als die beiden schon längst wieder zu Hause sind, erwacht der Riese zum Leben. Auf dem Weg in die Stadt, beim Förster, beim Eismann, beim Frisör und im Supermarkt richtet er viel Unheil an und bringt die Stadtbewohner gegen sich auf, weil er vieles nicht versteht und von den anderen nicht verstanden wird. Schließlich rettet er sich auf das Dach des Rathauses.

Als die Feuerwehr den Riesen mit einem Wasserstrahl von dort verjagen will, greifen die beiden Kinder ein. Sie haben den Riesen geschaffen, und nur auf die Kinder hört er. Die bekannte Illustratorin Anke Kuhl wählt für ihre Geschichte das Motiv der Sage vom Golem und entwickelt daraus einen Kindercomic, allerdings ohne konkret historischen Bezug. In weiten Passagen wird die Geschichte nur mit Bildern erzählt. Wie in ihren früheren Büchern gelingt es Anke Kuhl eindrücklich, die Stimmungen der einzelnen Personen mit ihren farbigen Buntstiftzeichnungen wiederzugeben und eine kindlich-naive Perspektive einzunehmen. Dabei gewinnt die Geschichte durch die schrägen Nebenfiguren, die eingeschobenen Werbeplakate zu Eis, Frisuren etc. und die Begegnung des unbedarften Riesen mit der Welt der Menschen viel an Witz.

Am Ende befindet sich ein kurzer Informationstext zur Figur des Golem in alten Sagen und Legenden. Eine ungewöhnliche Bildergeschichte für Kinder ab 6 Jahren, die zur Diskussion über Themen wie Freundschaft/Inklusion, Fremdsein/Außenseiter oder Identität anregt.

Anke Kuhl: Lehmriese lebt. Berlin: Reprodukt, 2015. Ab 6 Jahren.

Cover: Reprodukt

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