Evangelischer Buchpreis geht an Nora Krugs „Heimat“

„Wie kann man wissen, wer man ist, wenn man nicht weiß, wo man herkommt?“ Dieser Frage geht die Autorin und Illustratorin Nora Krug in ihrer graphic memoire „Heimat – Ein deutsches Familienalbum“ nach. Für ihr herausragendes Werk wurde sie jetzt mit dem Evangelischen Buchpreis ausgezeichnet.

Zum 41. Mal wurde am 5. Juni 2019 der Buchpreis des Evangelischen Literaturportals in der Neustäder Hof- und Stadtkirche St. Johannis Kirche in Hannover verliehen. Die diesjährige Preisträgerin wohnt in New York und konnte nicht vor Ort sein, wurde aber via Skype live zugeschaltet. „Alles, was jetzt geschieht, kann Frau Krug hören“, leitete Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, die Preisverleihung ein. Eine besondere Situation für die Ehrung eines – darüber sind sich alle Redner einig – ganz besonderen Buches. Mit ergreifenden Lobreden und durch die musikalische Darbietung des folklorischen Duos Fräulein Zugvogel wurde Krug gefeiert.

Ein anschaulicher Zugang zur Geschichte für alle Altersklassen

Die Wahl der Preisverleihung ist für Laudatorin Katja Thimm, Journalistin und Autorin, keine Überraschung. In ihrer Rede erinnert sie sich daran, wie ihr das Buch auf der Frankfurter Buchmesse aufgefallen ist. „Das da – das ist besonders“, habe eine befreundete Buchkritikerin zu ihr gesagt. Und auch Thimm war so von dem Buch überzeugt, dass sie zu Weihnachten gleich 10 Exemplare an Freunde und Verwandte aller Altersklassen verschenkte. Der persönliche Blick auf das Leben im Nationalsozialismus sowie die Kombination aus Text, Zeichnungen und Fotos, die das Buch wie ein handschriftliches Album wirken lassen, eröffnet einen anschaulichen, außergewöhnlichen Zugang zu dieser Zeit.

Bilder als Sichtbarmachen von Erinnerung und Emotionen

Krug erklärte in ihrer Dankesrede, dass sie das abstrakte Schuldgefühl der Deutschen und den kulturellen Identitätsverlust durch die Aufarbeitung persönlicher Erinnerungen überkommen will. In „Heimat“ illustriert Krug eine neue Identität. Besonders die Zeichnungen nehmen für die Autorin einen wichtigen Stellenwert ein. Sie repräsentieren, wer wir glauben zu sein, und zwingen zum Sichtbarmachen von Erinnerungen und  Emotionen. Deswegen beschreibt Krug das Illustrieren als „Übung in Empathie“.

graphic memoire wird in 13 Sprachen übersetzt

Die formale Besonderheit betonte auch Britta Egetemeier, Verlagsleitung des Penguin Verlages. Mit Eigenschaften von Sachbuch, Memoiren, Fiktion und Bilderbuch entziehe sich „Heimat“ jeglicher Gattungszuweisung. Krug selbst beschreibt ihr Buch als graphic memoire. Zwar handelt es sich bei Krugs Buch um persönliche Erinnerungen, die Autorin schaffe es aber, ihre Geschichte in unser aller übergehen zu lassen. „Auch wir hätten auf unserem Dachboden auf diese Fundstücke stoßen können.“ Egetemeier freute sich, dass das Buch in 13 Sprachen erscheint und somit auch in anderen Ländern zu einem Umdenken der deutschen Geschichte verhilft: „ Heimat hilft uns allen zu verstehen.“

Das Buch kann für €7 über die Bundeszentrale für politische Bildung bezogen werden.

Fotos: Akademie für Leseförderung

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