Im Gespräch mit Aygen-Sibel Çelik

Die Kinder- und Jugendbuchautorin Aygen-Sibel Çelik wurde 1969 in Istanbul geboren. Sie studierte Germanistik und schrieb viele Rezensionen und Artikel. Inzwischen hat sie selbst 16 Kinder- und Jugendbücher verfasst.

Sie haben bereits 16 Kinder- und Jugendbücher geschrieben. Woher nehmen Sie Ihre Ideen für die Geschichten?

In der Regel sind es Themen, die mich bewegen. Dabei spielen nicht selten eigene Erfahrungen eine Rolle, beispielsweise, wenn es um das Thema Vorurteile, kulturelle Vielfalt, Mehrsprachigkeit o. ä. geht. Darüber hinaus sauge ich die Geschehnisse um mich herum auf wie quasi ein Schwamm. Wenn sich daraus eine verwertbare Idee entwickelt, kommt sie in meine Ideensammlung. Genauso wie spontane Ideen. Das kann ein Wort, ein Satz oder ein Gedanke sein. Darauf greife ich in regelmäßigen Abständen zurück, suche mir etwas heraus, entwickle daraus ein Exposé und so findet im besten Fall die Idee ihren Weg zum Buch.

Einige Ihrer Bücher beinhalten neben der Geschichte auch noch dazugehörige Übungen oder Spiele. Worauf achten Sie besonders, wenn Sie ein neues Buch entwickeln?

Einige meiner Bücher für jüngere Leserinnen und Leser sind tatsächlich so konzipiert, dass sie diese zum Mitmachen anregen sollen. So zum Beispiel „Sinan und Felix“, „Sinan, Felix und die wilden Wörter“, „Geheimnisvolle Nachrichten“ oder „Alle gegen Esra“. Dabei sollen sie mitraten, Rätsel lösen, sich für ein Ende entscheiden oder auch mal etwas nachnähen, weil mein neuestes Buch „Blogstar Opa“ Nähanleitungen beinhaltet. Manchmal ist so eine Aktionszugabe von Anfang miteingeplant, manchmal entsteht die Idee dazu erst im Schreibprozess. Und sie machen nicht nur Spaß, sie stellen natürlich auch einen zusätzlichen Leseanreiz dar. Bei den Lesungen sorgen sie für einen regen und interaktiven Austausch.

Was motiviert Sie zu der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern in Schreibwerkstätten?

Ich finde Kreativität ist ein Schatz, der in allen Menschen steckt. Mein Anliegen ist es, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern ihren oftmals verschütteten Zugang dazu wiederzufinden. So gesehen, könnte man meine Schreibwerkstätten auch als eine Art Schatzsuche betrachten. Anfangs ist es meist so, dass die meisten Schülerinnen und Schüler beteuern, dass sie nicht gerne schreiben. Der größte Moment ist daher, wenn sie am Ende der Werkstatt zurückmelden, dass es ihnen großen Spaß gemacht hat und dass sie festgestellt haben, dass ihre Ideen gar nicht so schlecht sind, wie sie immer dachten. 

Welches Erlebnis ist Ihnen bei der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern besonders in Erinnerung geblieben?

Ich kommentiere ja alle Texte, hebe immer die positiven Aspekte hervor und gebe auch Tipps, wie man die Geschichten optimieren könnte.  Einmal hat ein Mädchen ihren Text zu einer Karte vorgetragen. Er war so emotional geschrieben, dass ich meine Tränen nicht zurückhalten konnte. Nicht nur ihre MitschülerInnen und die anwesenden Lehrkräfte waren erstaunt, ich glaube, die junge Autorin war es am meisten. Hinterher gab es einen wirklich langen Applaus. 

 

Fotos: Akademie für Leseförderung Niedersachsen

Die Fragen stellte Anne Minnerup.

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