Zwischenergebnisse zu TAMoLi

In Hannover trafen sich am 16. April 2018 Lehrkräfte unterschiedlicher Schulformen, die an der TAMoLi-Studie teilnehmen, mit Prof. Dr. Irene Pieper und Simone Depner von der Stiftung Universität Hildesheim sowie Vertreterinnen der Akademie für Leseförderung Niedersachsen zu einer gemeinsamen Weiterbildungsveranstaltung. In den Diskussionen und einem Workshop wurde deutlich, dass Lesen keine einfache Kompetenz ist, sondern vielmehr eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe und Teil der Identitätsbildung. Moderner Lese- und Literaturunterricht bezieht auch diesen größeren Kontext des Lesens mit ein.

Was ist TAMoLi?
Bei TAMoLi, kurz für „Texte, Aktivitäten und Motivationen im Literaturunterricht der Sekundarstufe I“, handelt es sich um eine empirische Studie, die mit „mixed methods“ arbeitet. In einem quantitativen Teil beantworten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler Fragen zum Lese- und Literaturunterricht, in dem sich anschließenden qualitativen Teil werden Literaturunterrichtsstunden videografiert und ausgewertet. Die Ergebnisse sollen zukünftig in die Gestaltung des Deutschunterrichts einfließen. Das Forschungsprojekt wird von der Fachhochschule Nordwestschweiz gemeinsam mit der Universität Potsdam und der Stiftung Universität Hildesheim realisiert. Das niedersächsische Projekt wird durch das Programm *Pro Niedersachsen, Niedersachsen Vorab gefördert.
In Niedersachsen haben 1.118 Achtklässlerinnen und Achtklässler bereits aktiv an der Studie teilgenommen. Sie verteilen sich auf 15 Hauptschul-, 18 Realschul-, 19 Gymnasial- und sechs IGS-Klassen. Parallel dazu hat eine vergleichbar große Gruppe an Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften in der Schweiz an der Studie teilgenommen. Es gibt bereits Zwischenergebnisse.

Zwischenergebnisse
Training, Selbstkonzept als Leser oder Leserin und Einführung in die literarische Kultur werden als gleichermaßen zentral betrachtet. Wer gut liest, liest mit großer Wahrscheinlichkeit auch gerne, und wer gerne liest, liest meist auch gut. Die Förderung von Lesemotivation und das Trainieren der Lesegeläufigkeit gehen daher Hand in Hand.
Trotz der medialen Konkurrenz, in der das Lesen in der Freizeit der Jugendlichen inzwischen steht, findet es begeisterte Anhängerinnen und Anhänger. Für manche ist ein gelesenes Buch eine „Trophäe“ und jeder gewonnene Bücherregal-Zentimeter ein Erfolg. Andere „entfliegen“ beim Lesen in ferne Welten. Im Gespräch mit den Lehrkräften der teilnehmenden Schulen zeigte sich jedoch, dass bei einigen Schülerinnen und Schüler und Literatur große Berührungsängste gegenüber Literatur bestehen. Dass Emotionen, das eigene Ausfüllen von Leerstellen eines Texts und Assoziationen ihre Berechtigung haben und sogar gewünscht sind, ist für manche Jugendliche eine ungewohnte Erfahrung. Gleichzeitig sind die Grundvoraussetzungen an den unterschiedlichen Schulformen sehr heterogen. Während einige Klassen auch nach starker Vorentlastung der Texte mehrere Lesedurchgänge benötigen, können andere recht schnell in die Analyse einsteigen.

Auswahl von Klassenlektüren
Die Auswahl von Klassenlektüren findet für die Lehrkräfte im Spannungsfeld von Gegenstands- und Schülerorientierung statt. Die TAMoLi-Befragung ergab, dass sich Lehrkräfte dabei besonders an bewährten Texten, Ratschlägen aus dem Kollegium, den inhaltliche Interessen der Klassen und der eigenen Begeisterung orientieren. Konkrete Vorschläge der Schülerinnen und Schüler werden weniger berücksichtigt. Dabei scheint sich die Lektüreauswahl stark zu individualisieren. Von 66 genannten Romanen, die in den befragten 8. Klassen gelesen wurden, wurden nur 14 Titel mehrfach genannt.
Die Schülerinnen und Schüler wünschen sich, dass auch Gattungen ihrer Freizeitlektüre, insbesondere Science Fiction-, Fantasy-, Comics und Abenteuer-Literatur, im Schulunterricht eine größere Rolle spielen. Außerdem sind bei Ihnen Bücher besonders beliebt, die in Serie erscheinen und/oder medial adaptiert werden.

Neue Ideen für den Lese- und Literaturunterricht
In einem Workshop am Nachmittag präsentierte eine Referentin der Akademie für Leseförderung Niedersachsen den Lehrkräften aktuelle Titel der Kinder- und Jugendliteratur, die sich zum Einsatz im Schulunterricht eignen. Pro Doppeljahrgang wurden jeweils drei Bücher mit Materialien und methodischen Ideen zur Umsetzung in der Schule vorgestellt und teilweise von den Teilnehmenden erprobt. Neben Karaoke-Lesen, Buchvorstellungen mit Pecha Kucha und Chatten auf Papier lernten die Lehrkräfte auch Methoden zur Auswahl einer Klassenlektüre wie „Mein schönster erster Satz“ und „Fundstücke“ kennen.

Bild: Fachhochschule Nordwestschweiz, Stiftung Universität Hildesheim, Universität Potsdam

 

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