Eins

Hier.
Sind. Wir.

Und wir leben.
Ist das nicht unglaublich?

So beginnt Sarah Crossans Versroman „Eins“. Unglaublich ist die Existenz der 16-jährigen Grace und ihrer Schwester Tippi, weil sie siamesische Zwillinge sind und damit ihre Lebenserwartung sehr niedrig ist. Als die Eltern den Hausunterricht der Zwillinge wegen der hohen Arztrechnungen nicht mehr finanzieren können, müssen die beiden eine Privatschule besuchen, für die sie ein Stipendium erhalten. Der Schritt hinaus aus dem schützenden Kokon der heimischen Welt bedeutet für Grace und Tippi zunächst vor allem eines: den Blicken und Urteilen anderer ausgesetzt zu sein. Wider Erwarten erfahren die Zwillinge aber auch echte Freundschaft und Liebe. Doch als die beiden lebensbedrohlich erkranken, müssen sie die wohl schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen: Die Ärzte schlagen eine Trennung der beiden vor, wohl wissend, dass eines der beiden Mädchen bei der Operation sterben kann.

Sarah Crossan lässt ihre Protagonistin Grace die Ereignisse sehr ernst, aber auch mit Humor erzählen und reflektieren. Dabei kommt eine Vielzahl von Themen zur Sprache. Über dem steht aber die konstante Frage nach der eigenen Identität: Ist Grace ein Teil einer Persönlichkeit? Oder sind sie und ihre Schwester zwei eigenständige Persönlichkeiten in einem Körper?

Dieser Roman ist aufgrund der eingängigen Erzählweise und den sprachlichen Fähigkeiten Crossans absolut lesenswert und eignet sich sehr gut als Lektüre in einer 9. oder 10. Klasse. Mit nur wenigen Worten und unter gekonnter Nutzung lyrischer Gestaltungsmittel vermag Crossan die Handlung pointiert zu verdichten, sodass sich mittels dieses Romans auch literaturästhetische Fragestellungen bedeutungsvoll erschließen lassen. Und vielleicht ist gerade das ein weiteres Verdienst von Sarah Crossan: Junge Menschen wieder für Lyrik zu begeistern. Das Buch ist ab 14 Jahren geeignet.

Anregungen zum Arbeiten mit dem Versroman finden Sie hier.

Sarah Crossan: „Eins“. mixtvision Verlag, 2016.

Cover: mixtvision

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