Wie fühlt sich Heimweh an? - Elektrische Fische

„Heimat ist da, wo man verstanden wird.“ So beschreibt eine der Figuren in dem Jugendroman „Elektrische Fische“ von Susan Kreller den Ort, an dem man sich zu Hause fühlt.
Emma (ca. 13 Jahre) fühlt sich in Velgow überhaupt nicht heimisch. Velgow ist das triste Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, in das sie mit ihrer Mutter, ihrem älteren Bruder Dara und ihrer jüngeren Schwester Aoife von Dublin zieht musste. Hier ist ihre Mutter aufgewachsen und in Velgow leben ihre deutschen Großeltern. Nach der Trennung von ihrem Mann hat ihre Mutter keinen anderen Ausweg gesehen, als wieder in ihr Heimatdorf zurückzukehren. Aus der Sicht von Emma wird erzählt, was es bedeutet, in ein Land zu kommen, in dem man die Sprache so gut wie gar nicht versteht, in dem die Gerüche fremd sind und das Essen anders schmeckt. Alle drei Kinder vermissen schmerzhaft ihre irische Heimat. Aoife leidet so sehr, dass sie verstummt und nicht mehr redet. Schnell fasst Emma den Plan, wieder nach Dublin zurückzukehren. Dabei erhält sie unerwartet Unterstützung von ihrem neuen Mitschüler Levin. Die langsam wachsende Freundschaft zu diesem sonderbaren Jungen, der so „dünn wie Dünengras“ ist, und die Ostsee, die Emma an ihr heimisches Meer erinnert, helfen ihr letztendlich, in ihrem neuen Zuhause Fuß zu fassen.
Auch wenn von der äußeren Handlung her nicht viel in diesem Roman geschieht, werden die Gefühle, Empfindungen und Beziehungen der Menschen intensiv und spürbar widergegeben. Susan Krellers Roman lebt von ihrer kunstvollen, bilderreichen sprachlichen Gestaltung. Wie können Jugendliche einen Zugang zu dieser literarischen Sprache und der Geschichte bekommen? Der Roman bietet viele Gesprächsanlässe: Was ist eigentlich Heimat und was Fremde? Welche Bedeutung hat Sprache für das Wohlfühlen und Einleben? Welche Rolle spielen Freundschaften? Das Buch ist anspruchsvoll und setzt ein Zwischen-den-Zeilen-lesen-Können voraus. Ein erster Zugang zu den sprachlichen Bildern kann zunächst über „Fundstücke“ (Zitate) erfolgen. Diese Methode ist hier nachzulesen.
Schöne Beispiele für „Fundstücke“ sind auch in dem der Geschichte angehängten Glossar mit Erklärungen für irische und ostdeutsche Wörter zu finden.

Mit der Methode „Books Step by Step“ nähern sich Kinder sukzessive in kleinen Schritten dem Inhalt eines Buches an. Durch kleine „Informationshäppchen“, die thematisch zu dem Buch passen, werden Kinder und Jugendlichen auf das Buch neugierig gemacht. Hier sehen Sie, wie die Methode mit dem Buch „Elektrische Fische“ durchgeführt werden kann.

 

Weiteres kostenloses Unterrichtsmaterial zu dem Titel kann auf der Website des Schauspiels Hannover heruntergeladen werden.

Der Roman wurde mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2020 nominiert.

Susan Kreller: Elektrische Fische. Hamburg: Carlsen, 2019. Ab 12/13 Jahren

© Cover: Carlsen

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