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Zehn Buchstaben, die Angst machen

Dayton und Fahrshid sind typische Teenager, die zur selben Schule gehen, ihre Freundeskreise und Interessen haben und sich manchmal über den Weg laufen. Bis Dayton bei einer Schulversammlung dem queeren Autoren, der aus seinem Buch vorliest, eine homophobe Beleidigung durch den Saal zuruft. Was als dummer Scherz und Challenge gedacht war, stellt den Ausgangspunkt für viele Veränderungen im Leben der beiden Jungen dar. In abwechselnden Kapiteln erzählen Dayton und Farshid, wie dieses Wort in ihre Leben eindringt und sie verändert: Daytons Freunde distanzieren sich von ihm, andere nehmen ihn als Bedrohung wahr, während er selbst sich nicht wiedererkennt und eher genervt ist über den Wirbel, den dieses eine Wort nach sich zieht. Farshid hingegen lässt das Wort nicht mehr los, es begleitet ihn durch den Schultag und durch sein Privatleben. Ständig denkt er darüber nach – obwohl er ja gerade nicht schwul ist, ganz bestimmt nicht. Aber irgendwie kriecht mit dem Wort die Angst in seine Gedanken. Und um sich nicht ängstlich zu fühlen, trainiert er. Bald machen sich seine Eltern, Freund:innen, Coach und Lehrkräfte Sorgen um ihn, während Farshid sich „einfach nur stark fühlen“ möchte und eine äußere Stärke gegen innere Unsicherheit aufzubauen versucht. Lange schiebt er seine Gefühle von sich, bis es schließlich aus ihm herausplatzt und er sich nach und nach den Menschen um sich herum anvertraut. Auch Dayton schafft durch kleine Veränderungen und Erkenntnisse eine Kehrtwende, sodass er sich schließlich für Farshid einsetzt und ihn vor weiteren homophoben Äußerungen beschützt.

Durch die Wahl der zweiten Person Singular als Erzählperspektive gelingt Adib Khorram mit „Ein Wort, zehn Buchstaben“ ein eindringlicher Roman, der die Leser:innen direkt anspricht und einbindet. Der in jedem Kapitel vollzogene Perspektivwechsel zwischen Dayton und Farshid beleuchtet ausgewogen, wie sich die Auswirkungen eines unbedachten dummen Scherzes in das Leben zweier Jugendlicher bohren und Teile davon zerstören können – aber auch eine Dynamik freisetzen, Verhalten zu überdenken und zu ändern. „Du willst ein Mensch sein, der das Richtige tut.“, ist Daytons letzte Äußerung, bevor er Farshid gegenübertritt und nun selbst derjenige ist, der Angst hat. Farshid erkennt das geänderte Machtgefüge. Der letzte Gedanke, den Khorram ihm eingibt, kann sich genauso gut an die Leser:innen richten: „Ein Wort von dir kann seine Zukunft verändern. Du hast die Macht. Wie wirst du sie nutzen?“

Adib Khorram: Ein Wort, zehn Buchstaben. Hamburg: Carlsen, 2026. Ab 12 Jahren.