Weiter zum Inhalt

Salto: Alles anders als geplant

© Park x Ullstein

Marko und Claire sind schon lange ein Paar, doch nach dem Abitur trennen sich ihre Wege. Sie will in München Kommunikationswissenschaften studieren, er in Ungarn Medizin. Ungarn? Ja, denn der Abischnitt hat nicht für einen Studienplatz in Deutschland gereicht. Deshalb eröffnet Markos Vater ihm, dass seine einige Jahre zuvor verstorbene Mutter eine Lebensversicherung hinterlassen hat und dieses Geld nun für die ersten zwei Semester eines Medizinstudiums in Ungarn genutzt werden soll. An der Universität trifft Marko auf Kommiliton:innen, die sich keinerlei Sorgen um Geld machen müssen. Während er nebenbei bei McDonald’s jobbt, konfigurieren sich seine Nebensitzer neue Teslas und Porsches. Marko lebt zurückgezogen und ohne Kontakt zu seiner Studiengruppe, macht sich Sorgen um seinen Vater, der ohne Marko wahrscheinlich kaum noch zwischenmenschliche Kontakte pflegt, und auch Claire hat gesundheitlich mit einem großen Einschlag zu kämpfen. Markos Leben gerät nach und nach aus den Fugen. Er fällt durch die Prüfungen am Semesterende, hat körperliche Beschwerden, streitet sich mit seinem Vater und wird letztlich auch von der Arbeitsstelle beurlaubt. Es stellt sich heraus, dass Marko um sein Leben kämpft: Er hat Typ-1 Diabetes entwickelt und muss sich dringend zur Behandlung ins Krankenhaus begeben. So kehrt er schließlich mit letzter Kraft nach Deutschland zurück, bevor er zusammenbricht. Was folgt, ist eine langwierige und vorsichtige Heilung – nicht nur des Körpers, sondern auch der Beziehungen zu seinem Vater und zu Claire.

Dieser zweite Roman von Kurt Prödel ist eine sehr leise Coming-of-Age-Geschichte über den stillen Marko, der sich besonders um Geld viele Sorgen macht, sich nicht gut einfügt ins Gruppengeschehen und sich sehr in sich zurückzieht. Geschildert werden Alltagssituationen, diese aber mit einem sehr detaillierten Blick und eindrücklichen Beschreibungen. Alles wird infrage gestellt, sowohl größere gesellschaftliche Zusammenhänge als auch einzelne Begegnungen auf persönlicher Ebene.

Der Salto, der dem Roman seinen Titel gibt, kommt erst auf der letzten Seite, als sich für Claire und Marko ein neuer gemeinsamer Weg mit ihren Erkrankungen abzeichnet. „Salto“ ist eher ein Roman der kleinen Schritte als großer Sprünge.

Kurt Prödel: Salto. Berlin: park x ullstein, 2026. Ab 14 Jahren.