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Floris & Maja: Neuauflage eines Antikriegsbuches der leisen Töne mit aussagestarken Bildern

Buchcover von "Floris & Maja"

© Moritz Verlag

Es ist Krieg in Europa. Da selbst die Kleinsten das mitbekommen, ist es gut, dass der Moritz Verlag die Geschichte von Floris und Maja neu aufgelegt hat und damit Kindern auf außergewöhnliche und behutsame Weise einen Zugang zu diesem allgegenwärtigen Thema verschafft. Die Originalausgabe erschien 1993 unter dem Titel „Flon-Flon & Musette“. Zu dieser Zeit wütete ein Krieg in Jugoslawien, den die aus Polen stammende Autorin und Illustratorin zum Anlass nahm, die Kriegserfahrungen aus ihrer eigenen Kindheit in einem Buch zu verarbeiten und den Krieg damit schon für die Kleinsten (be-)greifbar zu machen.

Die Hasenkinder Floris und Maja leben ganz nah beieinander und treffen sich jeden Tag am Fluss zum Spielen. Doch dann kommt der Krieg und ein Stacheldrahtzaun trennt die beiden. Floris kann nicht mehr mit Maja spielen, nicht einmal über ihre Freundschaft sprechen darf er noch. Der Vater muss die Hasenfamilie verlassen, um in den Krieg zu ziehen.

In einfachen Worten und kurzen Sätzen erzählt Elzbieta vom Krieg als einer Person mit menschlichen Handlungen und Eigenschaften. „Der Krieg war unheimlich stark! Er beherrschte alle und nahm keine Rücksicht. Er machte schrecklichen Lärm. Er steckte Häuser an und machte alles kaputt. Er wütete von morgens bis abends.“ Damit gelingt es ihr, an das kindliche Vorstellungsvermögen anzuknüpfen, mehr als das vielleicht so manches Sachbuch vermag. Unterstützt wird dies durch die sehr aussagestarken Bilder, die den Text um viele Informationen und Details erweitern, die sich nicht in kindgerechte Worte fassen lassen. So zum Beispiel als der Vater zu Ende des Krieges eines Tages wieder vor der Tür steht. Er trägt den Arm in einer Schlinge und stützt sich auf eine Krücke. Bei genauem Hinsehen sind im Hintergrund die Ruinen zerstörter Häuser zu erkennen. Deutlicher und zugleich einfühlsamer lassen sich die Folgen eines Krieges für Kinder kaum darstellen.

So endet die Geschichte mit einem offenen Happy-End: Der Krieg ist vorbei, die Hasenkinder wieder vereint, um den Stacheldrahtzaun herum ranken bunte Blumen. Dennoch ist die Gefahr nicht gebannt, „denn (der Krieg) wird niemals sterben. Er schläft nur hin und wieder ein.“ Gut für Floris ist es allerdings von seiner Mutter zu erfahren, dass die Kinder den Krieg nicht aufwecken können, da sie dazu noch zu jung sind.

Mit „Floris & Maja“ ist der Autorin ein anspruchsvolles und anrührendes Kinderbuch gelungen, das großes Potenzial für (philosophische) Gespräche mit Kindern bietet. Das Buch lässt sich in Zeiten wie diesen, in denen fast täglich Kriegsnachrichten zu den Kindern durchdringen, gut zum Vorlesen in der Kita und in der Grundschule einsetzen. Aufgrund der geringen Textmenge sowie der kurzen und einfachen Sätze eignet es sich nach der gemeinsamen Lektüre aber auch zum selbständigen Nachlesen für Erstleser:innen.

Eine kurze Vorstellung des Titels durch drei Grundschüler:innen findet man hier.


Elzbieta: Floris & Maja. Frankfurt am Main: Moritz, 2022. Ab 5 Jahren.

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