Schildkröten werden alt – manchmal sehr alt. Agathe, die Schildkröte von Antje Damm, bringt es auf rund 80 Jahre und hat damit gleich mehrere Generationen einer Familie begleitet. Sie kannte die Großeltern, die Eltern – und schließlich auch die Kinder der vor kurzem für ihr Gesamtwerk ausgezeichneten Bilderbuchkünstlerin. Aus dieser besonderen Lebensgeschichte macht die Autorin ein ebenso warmherziges wie unterhaltsames Buch, das weit mehr ist als nur ein Sachtext.
Mit feinem Humor erzählt Damm, wie Agathe überhaupt in die Familie kam: als raffiniertes Muttertagsgeschenk, versteckt im Karton und damit unabweisbar. Was folgt, ist eine liebevolle Chronik des Zusammenlebens – voller kleiner, oft überraschender Episoden. Da ist die ungewöhnliche Freundschaft mit einer Taube und die Begeisterung für Schildkröten, die auf die Freundin Bärbel überspringt. Dann gibt es auch die leisen, nachdenklichen Momente, wenn nicht jede Tiergeschichte ein Happy End findet.
Ganz nebenbei wächst hier auch eine Leidenschaft: die für das Beobachten, Zeichnen und Erzählen. Agathe hat gewissermaßen den Grundstein für Antje Damms spätere Karriere als Bilderbuchillustratorin gelegt.
Besonders gelungen ist die Mischung aus persönlichen Erinnerungen, fundiertem Wissen und visueller Gestaltung. Originalfotos, Collagen treffen auf witzige, lebendige Illustrationen im Comicstil – zusammen ergeben sie ein Buch, das ebenso zum Schmökern wie zum Lernen einlädt. Man erfährt, was Schildkröten brauchen, wie sie leben und warum ihre Haltung alles andere als trivial ist.
Gerade deshalb ist dieses Buch so überzeugend: Es greift nicht nur den Wunsch nach einem Haustier auf, sondern begleitet ihn mit vergnüglichen Einblicken. Wer mit dem Gedanken spielt, eine Schildkröte aufzunehmen, wird hier bestens bedient.
Antje Damm: Agathe. Papas Schildkröte und ich. Frankfurt am Main: Moritz, 2026. Ab 6 Jahren
