Das versteckte Kind
Amsterdam, 2011: Annicks Oma leidet an Leukämie und hofft auf eine Knochenmarkspende. Die Familie wurde getestet, aber keine:r passt als Spender:in. Durch den Arzt erfährt die Oma schließlich, dass sie kein leibliches Kind ihrer Eltern sein kann. Annick ist bestürzt und will ihrer Oma helfen. Das einzige, was diese aus ihrer Kindheit hat, sind einige alte Drucke von Gebäuden in Amsterdam, alles andere wurde in einem Bombenangriff während des Zweiten Weltkriegs zerstört. Als Annick sich die Drucke genauer anschaut, findet sie auf einem eine Widmung: „Für Johanna – Mögen diese Drucke deine Geschichte bewahren.“ Annick fotografiert alle Drucke und macht sich auf die Suche nach den Wurzeln ihrer Großmutter.
Im Folgenden begleiten die Leser:innen Annick an verschiedene Orte in Amsterdam. An jeder Station gibt es rückblickende Kapitel in die Jahre 1943 bis 1945: Wozu diente zum Beispiel die Hollandsche Schouwburg 1943 und was ist dort heute untergebracht? Bei ihren Recherchen erfährt Annick langsam immer mehr über die Besetzung Amsterdams durch die Nazis und wie mutige Menschen im Widerstand jüdischen Familien geholfen haben, zu entkommen. Dazu gehörte ein großes Netzwerk an Krankenschwestern, die jüdische Kinder in nichtjüdischen Familien versteckten. Ob dies auch das Schicksal ihrer Oma war?
In dieser Graphic Novel werden Gegenwart und Vergangenheit stilvoll und anmutig miteinander verwoben. Maria van Lieshout bedient sich dabei sowohl eigener Zeichnungen als auch Fotos aus der Vergangenheit und Montagen aus beidem. Die wenigen verwendeten Farben lenken den Blick aufs Wesentliche und unterstreichen die Erzählung. In allen Kapiteln dabei ist die Amsel, die wie eine Erzählerin die Protagonist:innen durch ihre jeweiligen Geschichten leitet.
Maria van Lieshout: Das Lied der Amsel. Frankfurt a. M.: Fischer Sauerländer, 2026. Ab 14 Jahren.
