Der Krieg ist vorbei. Das bedeutet, dass die Stadt in Trümmern liegt. Dass viele Erwachsene fehlen und noch mehr Kinder sich selbst überlassen sind. Dass die Grundversorgung mit Wasser, Nahrung, Kleidung und einem Dach über dem Kopf nicht gesichert ist. Dass immer noch Menschen sterben. Tarek, Nata, Ren und Tuk sind eine Gruppe überlebender Kinder und Jugendlicher, die in den letzten Kriegstagen noch von der Armee eingezogen wurden und nach der Niederlage nun versuchen, zu überleben. Mit all der Not um sie herum bleibt ihnen vor allem eins: sie selbst, ihre Gruppe, ihre Freundschaft, die zum Ersatz für die verlorenen Familien wird. Jede:r hat ganz eigene Grausamkeiten und Verluste während des Krieges erlebt, wie sie Nacht für Nacht feststellen, weil die einen sich einnässen, während die anderen ihre Alpträume herausschreien. Die Tage werden der Suche nach Nahrung, Wasser und allem, was sich dagegen eintauschen lässt, gewidmet. Die Besatzer – von den Kindern nur „die Anderen“ genannt – stellen zwar Essen zur Verfügung, jedoch müssen sich die Überlebenden dafür vor dem Denkmal für die „Befreier“ verbeugen und einen respektvollen Gruß äußern. Die Anderen sind gar nicht so anders. Vor dem Krieg waren es die Nachbar:innen, die Familienmitglieder aus dem Nachbarland. Je weiter der Herbst fortschreitet, desto häufiger fällt die Entscheidung für als gegen das Brot aus. Trotz allem werden die Kinder zu Jugendlichen, und neben dem ständigen Kampf ums Überleben passiert eben auch das ganz normale Leben: mal gibt es eine Party, häufig wird von Süßigkeiten geträumt, manche Streiche gespielt und Ren verliebt sich in Nata.
Dieser Jugendroman lässt sich auf jede Nachkriegszeit anwenden. Die Mechanismen der letzten verzweifelten Kriegstage und die Zeit der Besetzung sind universell lesbar. Eva Kranenburg zeigt auf subtile und sehr literarische Weise auf, wie Kinder weiterhin versuchen Kinder zu sein, auch wenn das Leben sie in andere Umstände zwingt, und wie das Leben selbst versucht, sich durchzusetzen gegen Tod und Zerstörung. Ein berührender und lange nachhallender Roman für Frieden, nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene.
Zu diesem Titel gibt es kostenloses Unterrichtsmaterial des Verlags.
Eva Kranenburg: Freunde. Frankfurt am Main: Fischer Sauerländer, 2026. Ab 13 Jahren.
