„Ich habe Angst, man könnte mich sehen.“ Nach diesem Einstieg ins Buch richtet sich die tschechische Autorin an die Leserschaft. Als Lesende:r wirft dies vielleicht eine Frage zur eigenen Charaktereigenschaft auf: Habe ich auch Angst, dass man mich wirklich und wahrhaftig sieht, mich erkennt und mich kennenlernt? Wie stehe ich zu mir? Kann ich mich annehmen, wie ich bin?
Das Buch zeigt – basierend auf persönlichen Erfahrungen -, wie introvertierte Menschen denken, fühlen und sich definieren. Das ist nicht leicht, insbesondere in einer reizvollen Umgebung, in der für Individualität nicht immer Platz freigehalten wird. Lenka Blaze möchte vermitteln, dass es in Ordnung ist, anders zu sein. Dazu zeichnet sie buchstäblich ein Bild ihrer Innenwelt und schildert kurzweilig und mit ansprechenden grafischen Elementen, wie sie sich als introvertierte Person im Innen und Außen erlebt. Themen wie Selbstbild, Selbstannahme und die Entwicklung der eigenen persönlichen Gabe, der individuellen Superpower, sind ihr ein Anliegen.
„Ich gehe meinen Weg“. Mit solchen und anderen Schlussfolgerungen versucht sie, introvertierten Menschen Mut zu machen, tatsächlich sichtbar – damit auch lesbar – für andere zu werden und sich auf dem Weg zum Selbst nicht allein zu fühlen. In immer wieder neuen Blickwinkeln zeigt sie die unterschiedlichsten Facetten, die introvertierte Personen innehaben können. Mit Wortwitz und grafischen Wortmalereien klärt sie auf und lenkt den Blick ganz nebenbei auf berühmte und bekannte Introvertierte, die sich ihrerseits mit Kreativität, Wissen oder mit ihren Auswirkungen auf die Politik einen Namen gemacht haben. Ganz am Ende bleibt es den Lesenden dann selbst überlassen, wie die eigene Superkraft als sensible, introvertierte Person zu benennen ist. „Wir sind viele und du bist nicht allein!“
Lenka Blaze: Ich bin introvertiert. Sensibilität ist meine Superpower. München: Carl Hanser Verlag, 2026. Ab 12 Jahren
