Der Holocaust für Kinder? Ein Kindersachbuch gegen das Vergessen
Wie lässt sich die Grausamkeit des Holocausts so erzählen, dass Kinder sie begreifen können? In ihrem Sachbuch Nicht sehr lang her, nicht sehr weit weg gelingt es der chilenischen Autorin Carla Infanta Gabor, keine einzelne Biografie in den Mittelpunkt zu stellen, sondern ein umfassendes Bild der Gräueltaten des Nationalsozialismus zu zeichnen. Die Sprache ist klar und anschaulich, manchmal abstrakt, aber immer präzise in der Darstellung der Geschehnisse. Schwarz-Weiß-Illustrationen und Infografiken, sparsam mit einem an den Judenstern erinnernden Gelb durchzogen, intensivieren die Wirkung des Textes, betonen die Schwere des Themas und bieten aufgrund ihrer Symbolkraft viele Gesprächsanlässe. Infanta Gabor erklärt die Entstehung des Nationalsozialismus seit 1919 entlang zentraler Ereignisse und macht so historische Zusammenhänge nachvollziehbar. Der hohe Bildanteil erleichtert den Zugang, dennoch sollte das Lesen durch Erwachsene begleitet werden. Ein Glossar erleichtert zusätzlich das Verständnis. Dieses Buch ist ein bewegender Beitrag gegen das Vergessen und ein wichtiger Impuls, Geschichte mit jungen Leser:innen zu teilen. Auch für den Unterricht und die Anschaffung in einer Schulbibliothek empfehlenswert.
Carla Infanta Gabor: Nicht sehr lang her, nicht sehr weit weg. Ein Buch über den Holocaust. Frankfurt a.M.: Fischer Sauerländer, 2025. Ab 10 Jahren.
Zu diesem Titel steht kostenloses Begleitmaterial zur Verfügung.
