Ari (17) jobbt neben der Schule als Honorarkraft im Pflegeheim und liest Bewohner:innen vor. Hier begegnet sie Flint, der Sozialstunden im Heim leisten muss. Zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Jugendlichen entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte. Aris Zuhause ist die Gerberstraße 5. Hier lebt sie nicht nur mit ihrer schwangeren Schwester Hannah und ihrer Mutter, sondern auch mit den „MiMis", ihren seit Kindheitstagen besten Freunden Mirjam und Milan. Als Ari der dementen Frau Martin das von Hans Christian Andersen geschriebene Märchen von dem „Mädchen mit den Schwefelhölzchen" vorliest, scheint diese sich an etwas zu erinnern. Ari findet schließlich heraus, dass Frau Martin über den erfolgreichen Arbeitskampf der Arbeiterinnen in der Streichholzfabrik, der 1888 in London stattfand, promoviert hat. Der aus der Sicht von Ari erzählte Roman ist in einer literarisch anspruchsvollen und bilderreichen, poetischen Sprache geschrieben, die die Gefühle und Stimmungen der handelnden Personen deutlich werden lässt. Zusätzlich zu der einfühlsam erzählten Liebesgeschichte greift die für ihren Versroman „Und die Welt, sie fliegt hoch“ vor kurzem erst mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnete Autorin Sarah Jäger das Motiv des Feuers auf. Der Roman ist spannend zu lesen, was auch daran liegt, dass die Familiengeschichte von Flint, der in einem Bauwagen auf einem Schrottplatz lebt, lange Zeit nebulös bleibt. Das Ende ist überraschend und ist in keiner Weise vorhersehbar, wobei auch hier – nur so viel sei verraten – das Motiv des Feuers wieder aufgenommen wird. Der Roman bietet viele thematische Zugänge: Bedeutung von Familie und Freundschaft, Liebe und Beziehung, Leben im Alter, die Relevanz von etwas Geschriebenem für das, was in der Zukunft bleibt, und letztendlich die Frage von Tod und Endlichkeit.
Sarah Jäger: Das Feuer vergessen wir nicht. Frankfurt am Main: Rotfuchs, 2025. Ab 14 Jahren.
