Weiter zum Inhalt

QR-Codes als Hilfsmittel zur systematischen Förderung der Leseflüssigkeit

Leseflüssigkeit ab der 2. Klasse

Eine regelmäßige Diagnose der Leseflüssigkeit sowie die daraus resultierende, individuelle Förderung der Lesekompetenz von Schüler:innen ist im Unterrichtsalltag nicht immer leicht umzusetzen. Durch die Nutzung von QR-Codes lassen sich auf unkomplizierte Weise digitale Tools und multimediale Inhalte in den Unterricht einbeziehen, die eine differenzierte Leseförderung unterstützen und erleichtern. Eine Auswahl verschiedener Nutzungsmöglichkeiten wird in diesem Beitrag zusammengestellt.

QR-Codes als Tool zur Erstellung von Lautleseprotokollen

Ein bewährtes Instrument zur regelmäßigen Diagnose der Leseflüssigkeit sind Lautleseprotokolle. Anhand dieser Protokolle wird die individuelle Lesegeschwindigkeit von Schüler:innen in Wörtern pro Minute ermittelt. Ein vom Grundsatz her unkompliziertes, sehr aussagekräftiges Verfahren, dessen Anwendung im Unterricht allerdings dadurch erschwert wird, dass jedes einzelne Kind der Lehrkraft einen kurzen Text vorlesen muss, während diese gleichzeitig protokolliert. Dies lässt sich durch den Einsatz von QR-Codes zum Einlesen der Texte deutlich vereinfachen. Hierzu wird über die kostenlose App qwiqr passend zur jeweiligen Schülerzahl eine Sammlung an QR-Codes ausgedruckt. Vorbereitend muss jeder Code der Sammlung vor Weitergabe an die einzelnen Schüler:innen von der Lehrkraft gescannt werden. Über das Eingabemenü wird die Option „Konversation starten“ gewählt, um den Schüler:innen das Erstellen von Audioaufnahmen zu ermöglichen. (Genaue Anleitung: s.u.) Jede:r Schüler:in kann dann z.B. im Rahmen der Frei- oder Wochenplanarbeit über den QR-Code den jeweiligen Text einlesen. Da sich über den Code mehrere Audios aufnehmen lassen, ist er im Laufe des Schuljahres für weitere Lautleseprotokolle verwendbar, die den individuellen Lernfortschritt sichtbar machen. Wichtig ist es in diesem Zusammenhang, die einzelnen QR-Codes schon vor der Weitergabe an Schüler:innen mit Namen zu versehen und entsprechend abzuspeichern, um die Übersicht zu behalten. Auf Grundlage der eingelesenen Lesetexte kann die Lehrkraft die Lautleseprotokolle ungestört außerhalb des Unterrichts anfertigen. Die Methode hat außerdem den Vorteil, dass bestimmte Lesevorträge im Zweifelsfall wiederholt angehört werden können, um auf besondere Auffälligkeiten in der Leseentwicklung einzelner Kinder aufmerksam zu werden. Darüber hinaus lässt sich die Konversationsfunktion der App auch nutzen, um Schüler:innen in mündlicher oder schriftlicher Form direkt Rückmeldung zu geben, z.B. zu einem geübten, eingesprochenen Lesevortrag.

QR-Codes als Tool zur Bereitstellung von (mehrsprachigen) Hörtexten

Ein anerkanntes Lautleseverfahren zur Förderung der Leseflüssigkeit ist die Methode „Lesen durch Hören“. Bei dieser Art des Lautlesetrainings lesen die Schüler:innen einen Text simultan zum Hörtext halblaut mit. Grundlage für den Einsatz dieser Methode ist die Verfügbarkeit geeigneter Hörtexte zu den entsprechenden Lesetexten. Eine Sammlung kostenloser Sachhörtexte für Schüler:innen ab Klasse 3 findet man hier. Die (Hör-)Texte können mit Schüler:innen per QR-Code geteilt werden, die Audios liegen in drei Geschwindigkeitsstufen vor. Die Möglichkeit, beliebige Lesetexte per Mausklick in Hörtexte umzuwandeln, bietet das Tool QRStorage. Über das Textfeld der Seite kann ein Text mit bis zu 2000 Zeichen eingegeben oder per Copy-and-Paste eingefügt werden. Im Anschluss daran, wird ein QR-Code generiert, der zur Sprachausgabe des Textes verlinkt. Die Sprachaufnahme kann von Schüler:innen in Originalgeschwindigkeit oder in reduzierter Sprechgeschwindigkeit angehört werden. Bevor man die generierten (Ton-)Dokumente weitergibt, sollte man diese überprüfen und ggf. über Änderungen am Text anpassen. Durch den integrierten Übersetzer des Programms lassen sich ausgehend von der Eingabe eines (deutschen) Textes außerdem passende Hörtexte in 11 weiteren Sprachen (z.B. Englisch, Türkisch, Ukrainisch) generieren. Dies eröffnet gute Möglichkeiten für die Lese- und Sprachförderung im DaZ-Bereich. Um Schüler:innen mit Migrationshintergrund das Lesen und Sprechen der deutschen Sprache zu erleichtern, kann zum Üben des wiederholten Lautlesens regelmäßig die zugehörige Hörversion von Texten zur Verfügung gestellt werden. Zur Erleichterung des Textverständnisses besteht außerdem die Möglichkeit, die Hörversion in der jeweiligen Muttersprache hinzuzufügen. Auch zur Wortschatzarbeit kann das Tool genutzt werden, indem Alltagsgegenstände/Bildkarten zusätzlich zur Beschriftung mit den „Hörwörtern“ unterschiedlicher Sprachen versehen werden, was auch für das Miteinander von Schüler:innen unterschiedlicher Nationalitäten förderlich ist. Auf ähnliche Weise lässt sich das Tool auch für weitere Ideen zur Wortschatzerweiterung nutzen.

QR Codes als Tool zur Bereitstellung differenzierter Lesetexte und -aufgaben

Der Einsatz (mehr-)sprachiger (Hör-)Texte (s.o.) kann im Leseunterricht auch zur Binnendifferenzierung genutzt werden. Folgende Differenzierungsmaßnahmen bieten sich z.B. in Zusammenhang mit der Nutzung von QR-Codes an:

• Bereitstellung mehrfach differenzierter Lesetexte/differenzierter (interaktiver) Leseaufgaben
• multimediale (Wort-)Erklärungen zu Lesetexten für leseschwächere Kinder
• Bereitstellung weiterführender multimedialer Informationen zu Lesetexten für lesestärkere Kinder
• Textentlastung durch Audios zu Wörtern, Sätzen, Abschnitten von Lesetexten
• Arbeitsanweisungen im Audioformat (Für Kinder mit LRS im Rahmen eines Nachteilsausgleichs auch in Testsituationen möglich!)
• Bereitstellung muttersprachlicher Audios zu Lesetexten zur Erleichterung des Textverständnisses

Bei allen Differenzierungsmaßnahmen würde an entsprechender Stelle in den Arbeitsmaterialien (Arbeitsblatt, Wochenplan, Hausaufgabenplan usw.) ein QR-Code eingefügt oder aufgeklebt werden, den die Schüler:innen selbständig scannen, um auf die Inhalte zuzugreifen. Mit dem kostenlosen Tool qrcodemonkey lässt sich jeder QR-Code per Mausklick mit einem Logo versehen. Nutzt man hier unterschiedliche Symbole für Schwierigkeitsgrade von Aufgaben, für Zusatzinformationen und Erklärungen, dann lassen sich differenzierte Arbeitspläne übersichtlich gestalten. Mögliche Beispiele für QR-Codes mit Symbolen zur übersichtlichen Gestaltung von Arbeitsmaterialien könnten folgende sein:

Kostenlose Tools zur Arbeit mit QR-Codes:

qwiqr: Erstellung von QR-Code-Sammlungen (Anleitung zum Erstellen einer Konversation, die das Einlesen von Texten durch Schüler:innen zur Erstellung von Lautleseprotokollen ermöglicht)
QRStorage: Erstellung (mehrsprachiger) Audios
qrcodemonkey: Erstellung von QR-Codes mit Logo (Anleitung zur Nutzung des Tools)

Weitere Praxistipps mit QR-Codes:

Digitales Bücherregal mit QR-Codes
QR-Code-Leserallye
QR-Code-Rätsel

Nach oben scrollen